Montag, 29. August 2011

Was sind mich 40 KILOMETER….



Okay, mein Projekt ist immer wieder für eine Überraschung gut. Als ich am Mittwoch vom Fischen „Heim“ gekommen bin, waren wir abends beim Padre zum Essen eingeladen. Es gab natürlich Fisch, doch ich muss sagen ich habe selten so einen guten Fisch gegessen, wenn ich nicht gewusst hätte, dass es Fisch war, hätte es auch ein Schnitzel sein können. Wenn ich mir das grad so durchlese hört sich das ziemlich dumm an Schnitzel und Fisch dasselbe?! Aber der Fisch war super paniert keine Gräten, dazu Kartoffelprei und 2 Salate, war auf jeden Fall…… HAMMER : ) 

Na ja, ich will jetzt damit keinen neidisch machen, also komm ich lieber zu der eigentlichen Tatsache, die ich erzählen möchte. An diesem besagten Abend von dem „Schnitzelfisch“, habe ich erfahren, das mein Projekt das Casa Esperanza jedes Jahr nach Copacabana läuft, zumindest die letzten 40 Kilometer. Nein es ist kein Schreibfehler, es waren 40 Kilometer. Zuerst sind wir mit dem Bus gefahren und wie das halt hier in Bolivien so ist, heißt es um 7:00 Uhr ist abfahrt. Es stand sogar auf dem Plan den jeder von uns „Betreuern“ bekommen hat. Ich hab im Nachhinein auch sagen müssen, egal um was es ging, es wäre sinnvoller gar keine Zeiten auf den Plan zu schreiben, da die Leute es eh nicht schaffen die Zeiten einzuhalten. Jeden Falls war es dann ich glaube kurz nach 8 Uhr bis wir erst mal losgekommen sind. Da geht der ganze Spaß ja erst mal weiter. In Deutschland wäre es so, dass wenn ein Bus für 40 Personen bestellt wird, hat man entweder einen Bus der für genau 40 Personen Platz hat oder es bleiben ein paar Plätze nicht besetzt. In Bolivien ist das so, du bestellst einen Bus für 40 Personen, bzw. ich glaube wir waren sogar 45 Personen, bekommst aber einen Bus der für 35 Platz hat. Bolivianer. In Deutschland, wenn es zu diesem Fall kommen würde, wäre wahrscheinlich innerhalb von 30 Minuten ein zweiter Bus oder eine andere Möglichkeit da, damit wirklich jeder einen Sitzplatz hat. Hier in Bolivien drückt man einfach alle Leute in einen Bus rein und setzt sie in die Mittelgänge oder zu dritt in eine Sitzreihe. Völlig normal für 3 Stunden Fahrt. Haha.

Na ja, also diese Fahrt dann geschafft war, sind wir an einem Hafen ausgestiegen, an dem wir alle eine Stelle des Titicacasees passieren mussten. Und ab dann ging die Reise zu Fuß weiter. Wie stellt man sich so was vor? Also ich stelle mir vor, wir laufen über Wege, wo auch Wege sind und nicht einfach Querfeldein. Aber gut muss man auch mal mitgemacht haben. Das erste lustige meiner Meinung nach war, dass wir so ca. nach 15 Minuten die es irgendwo entlang ging, an einer Stelle angekommen sind, bei der man, ja ich sag mal seine Bergsteigerfähigkeiten testen konnten. Egal, wo man hingetreten ist unter seine Füßen hat sich eine kleine Steinlawine gelöst und man musste wirklich schauen, dass man so schnell wie möglich sich an was festen wie z.B. einem Baumstamm oder an einem Felsen festhält. Ja, aber auch das haben wir gemeistert. Also wir dann endlich den Berg oben waren, ich völlig außer Atem, da die Akklimatisierung wohl doch noch nicht völlig abgeschlossen ist, ging es weiter an einer schönen Straße, bei der man einen unglaublichen Blick auf den See hatte, mit einer Berglandschaft die wirklich Atemberaubend ist. Ich hab heute, als ich im Internetcafé saß, einfach mal nur zum Spaß eingeben wie groß dieser See eigentlich ist und was kam dabei raus? – er ist 15 mal größer als der Bodensee. Also einfach nur unglaublich. Dazu kommt noch, dass es wahrscheinlich der kälteste See der Welt ist und was sicher ist der höchstgelegene auf über 4000m Höhe.  Okay soweit so gut. So nach ca. 1 Stunden hat dann eine Betreuerin zu mir gesagt, die in ihrem Handy einen Schrittzähler hat, jetzt haben wir genau 5,4 km. Was eine Freude nur noch 35 zu laufen. Auf dieser Reise würde ich es nennen, hatte ich wirklich viel Zeit um nachzudenken. Ich muss zugeben mir ging es die letzten Tage einfach nicht so gut hier. Klar ich fühle mich schon wohl in La Paz es ist einfach etwas Besonderes hier zu sein. Aber ich habe leider einen Fehler in Deutschland gemacht und zwar habe ich mich nie mit Heimweh auseinander gesetzt. Und da ich bei der Arbeit die letzten Tage einfach auch nicht immer was zu tun hatte, ging es mir aufgrund dessen auch nicht so toll hier. Jeden Falls glaube ich, dass mir die Zeit an der frischen Luft und beim Laufen echt gut getan hat, was das angeht. Ich habe diese Wanderung mit meinem Jahr in Bolivien in Verbindung gebracht. Zum einen in der Hinsicht, dass ich das Jahr angefangen habe und es auch zu Ende bringen werde, das es Momente gibt in denen man sich fragt, warum macht man das Ganze, da es einem einfach zu viel wird, aber dann wenn man es geschafft hat froh und stolz ist es geschafft und gemacht zu haben. 

Ich glaube auch, dass es unheimlich wichtig war für die Jungs, dass sie gesehen haben, hey der läuft mit der zieht das Ganze mit uns durch, leidet und hat spaß mit uns… Also für mich war es das auf jeden Fall, da ich jetzt das Gefühl habe den Jungs ein wenig näher zu sein. 

Auf dem Weg habe ich dann auch erfahren, dass wir in einem Hostel  schlafen werden. Ich also von einer warmen Dusche geträumt, von maximal 6er Zimmern und was man sich halt so vorstellt. Hahaha. Alles falsch wir hatten einen großem Raum, in dem Matratzen lagen, die man sich wegnehmen durfte wir haben also, alle Jungs in einem Zimmer geschlafen das waren dann 40 Leute, der Vorteil war, nachts ist es nicht kalt : ) Und ich konnte die Jungs mal so hören, was sie nachts so von sich geben. Diese Schlafredner. 

Der nächste Tag sah dann so aus, dass wir gegen 7:30 Uhr aufgestanden sind, uns gerichtet haben gefrühstückt und dann an Strand gegangen sind und dort Sonne getankt haben, bis alle anderen Freiwilligen in Copacabana angekommen sind. Ich glaube ich habe vergessen zu sagen, dass das das größte Event der Fundacion jedes Jahr ist zu dem alle Projekte, die die Fundacion hat nach Copacabana kommen um dort einen gemeinsamen Gottesdienst zu haben, Lieder zu singen und viel gemeinsam zu essen : ) Es war unglaublich um kurz nach 14 Uhr also mit wieder in bisschen Verspätung sind über 30 Buse in Copacabana eingetroffen, mit an Bord die Beneficiarios.  Angekommen liefen wir gemeinsam zur Kirche in die wirklich mal kurz 2000 Leute gepasst haben. Klar die Kirche war riesig, aber die Vorstellung alleine, dass 2000 Leute dort drin waren, hammer hart. Am besten ich lade noch ein paar Bilder hoch um das ganze mal zu verdeutlichen. Gegen Abend hat dann jeder so einen Leuchtstab in die Hand bekommen und wir sind noch einmal gemeinsam zu Kirche gelaufen. Es war fast so schön, wie der Fackellauf jedes Jahr an Silvester auf dem Jägerhaus, aber nur fast so schön,  da für mich der Fackellauf immer etwas ganz Besonderes ist.
Zum Abschluss des Laufes und den Ansagen, bzw. den Gebeten des Padre, gab es noch ein super schönes Feuerwerk. : )  Und danach ging es dann weiter in die Sporthalle von Copacabana um dort den Abend, bei verschiedenen Tanz und Comedy Vorstellungen ausklingenzulassen. 

Ich muss sagen, ich war immer froh, als der Tag dann endlich zu Ende ging und ich mich einfach nur in mein Bett legen konnte um zu schlafen. Da die Zeit doch sehr anstrengend war. 

Der Sonntag ist dann vollends harmlos verlaufen, morgens aufgestanden, Zeug zusammengerichtet, aufgeräumt, gefrühstückt, an Strand gegangen, Mittaggegessen, in den Bus eingestiegen und  4 Stunden Richtung La Paz gefahren… 

Ja das war mein Wochenende, mit vielen interessanten Erfahrungen. 

Ach genau, eins das möchte ich noch erzählen. Ich hab mit einem meiner Jungs gesprochen, der mich gefragt hat, ob ich noch einmal hier her laufen würde. Worauf ich gemeint habe jetzt im Moment nicht, da mir heute noch alles von Freitag weh tut, aber sonst schon. Und dann haben wir darüber gesprochen, nächstes Jahr dann und dabei ist mir klar geworden, dass alles was ich erlebe, wie z.B. das fischen gehen, die Wallfahrt nach Copacabana und noch vieles mehr, was noch kommen wir und was schon war, das alles werde ich nur einmal in meinem Leben bzw. in dem Jahr hier erleben. Eine interessante Erfahrung über die ich mir zuvor noch keine Gedanken gemacht habe.

So liebes Tagebuch, und liebe Mitleser. Das war´s mal wieder von mir nach 1444 Wörtern.
Gruß Euer Sebastian

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