Samstag, 24. Dezember 2011

Auf was Mann für Ideen kommt….



Fangen wir mal mit etwas harmloseren Dingen an, wie dass ich nach endlich knapp 3 Monaten oder fast sogar 4 Monaten mit meinem Projekt eines Spieleraumes anfangen konnte. Der Raum wird wahrscheinlich Ende Dezember fertig sein. Eigentlich wollte ich diesen Blogeintrag schon viel früher veröffentlichen, aber leider bin ich nicht dazu gekommen. Im Moment, sieht es so aus, dass wir schon gestrichen haben, der Raum im Prinzip vollständig eingerichtet ist und nur noch die Verkabelung der Leuchtstoffröhren fehlt. Wenn das, dann mal gemacht ist, dann kann es richtig abgehen. Ich hoffe sehr, dass alles so wird, wie ich mir das vorstelle und die Jungs dann später ihre Freude damit haben werden. Viele der Jungen, die mir helfen und immer wieder in den Raum kommen sagen dann auch „cool“. Die Farben gefallen mir, das freut mich persönlich dann unheimlich. Und auch wenn die Jungs helfen, haben sie ihren Spaß beim streichen…  : )


Ich glaube ich habe schon einmal davon geschrieben, dass in der Fundación momentan ein internes Volleyballturnier stattfindet. Bei meinem Team sieht es dieses Jahr wirklich gut aus, also wenn ich diesen Beitrag veröffentliche, dann könnte es sein, dass wir Meister sind. Und da ich jetzt leider schon ein paar Wochen Verspätung mit dem Blogeintrag habe, sind wir MEISTER !!!!! Und mir wurde zugesagt, dass wenn wir dieses Jahr gewinnen, wird es eine Statue von mir im Casa Esperanza geben oder zumindest ein Bild mit „Spieler des Jahres“ : ) Bis zum Tag des Turnieres hatten wir ein Spiel verloren, aber das leider auch nur, da wir zu fünft spielen mussten und es einfach nicht unser Tag war. Doch trotzdem waren wir auf dem 1. Platz in der Vorrundenentscheidung. Wir haben sogar den Chef der Fundación geschlagen vordem alle so große Angst hatten und mir immer wieder gesagt haben er kann spielen. Dass ich nicht lache, wir haben sein Team 25: 18 und 25:8 geschlagen. Ich glaube das sagt alles.  Und auch im Finale, haben wir nichts anbrennen lassen und das Sieg ganz locker nach Hause geholt.

Dem Letzt war wirklich ein super Tag in Casa Esperanza, erst haben wir gestrichen, dabei richtig coole Musik gehört, mit der Anlage, die ich schon gekauft habe und am Abend war noch Suppe vom Mittagessen übrig. Daraufhin haben wir einem der Jungs gesagt, wenn er den Topf vollends leertrinkt bekommt er von uns 5 Bolivianos also umgerechnet 50 Cent. Der Topf hatte bestimmt noch einen Inhalt von einem guten Liter, den er ohne abzusetzen trinken musste. Er natürlich mit vollem Eifer dabei gewesen hat das Ding auch locker runtergezogen und danach nur gefragt: „ und was essen wir jetzt?“.

Am Dienstag den 6.12.11 haben wir mal wieder eine Kinonacht im Casa Esperanza veranstaltet. Zu der wir entschlossen haben, dass wir danach dort übernachten. Doch bevor wir die Kinonacht veranstaltet haben, haben wir uns eine Glatze rasiert. „Wenn nicht jetzt, wann dann…?“. Wir hatten schon vor einigen Tagen beschlossen, dass wir das gerne machen wöllten und jetzt endlich haben wir den Schritt gewagt und haben es getan. Es war ein riesen Event wir standen in einem Bad das vllt. 6 m² groß war mit ca. 10 Mann. Zuerst haben wir angefangen, einfach nur wild mit einer Schere in unseren Haaren rumzuschneiden, danach haben wir dann mit dem Elektroschneider alles abgemacht und zu guter Letzt mit einem Nassrasierer die letzten Spuren entfernt. Ich muss sagen es hat sich sich ziemlich krass angefühlt und sieht auch wirklich ungewohnt aus. Aber jetzt weiß ich wenigstens, wie ich mit einer Glatze aussehe und ganz ehrlich in wenigen Tagen ist es so, als hätten wir unseren Kopf nie mit einem Nassrasierer rasiert. Noch dazu, wenn ich wieder in Deutschland bin, sind die Haare wieder voll und prächtig : )

Ich weiß noch genau, wie einige der Volontäre am Anfang ihres Jahres, auch ich, darüber gesprochen haben, wenn mal Weihnachten ist, dann ist es wirklich nicht mehr lange, bis man wieder daheim ist. Zu diesem Zeitpunkt, hat natürlich viel Heimweh aus einem gesprochen. Doch im jetzigen Moment, fühle ich mir wirklich sehr wohl. Klar, dass man bei einer Wohngemeinschaft von 10 Personen nicht mit allen auskommt ist ja auch ganz normal. So ist nun einmal der Mensch. Aber letzten Endes, sind das ja auch die Dinge, die man aus so einem Auslandsjahr mitnimmt und aus denen man nur lernen kann.

Ich finde es im Moment sogar eher ein wenig verrückt. Morgen, 25. Dezember in 7 Monaten, flieg ich schon wieder Heim. Wir haben bald Halbzeit. Ich weiß auch noch genau, als ich gesagt habe, ohhh wenn mal mein Bruder und meinen Eltern hier waren…. Und was ist nächsten Monat, da steht mein Bruder schon da. (Vorauf ich mich riesig freue)

Man muss wirklich sagen, dieser Monat ging unheimlich schnell rum. Nächste Woche liebe Leute ist schon 2012.

Und heute ist Heiligabend, es ist zwar komisch dieses Jahr Heiligabend ohne Familie zu verbringen, aber ja da man hier eh  nicht wirklich in Weihnachtsstimmung kommt, bekommt man das Ganze auch ganz gut so rum.  Wir Volontäre werden heute lecker Fondue essen und den Abend gemütlich ausklingen lassen, also anders aber gut…

So, das war eigentlich auch schon alles wichtige, was wir bisher diesen Monat gemacht haben.

Ich hoffe euch geht es allen Gut ihr habt schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2012.

Liebe Grüße
Euer nun wieder etwas behaarter Sebi

Sonntag, 20. November 2011

Jetzt wird es aber mal wieder Zeit.



In meinem letzten Blogeintrag habe ich geschrieben, dass heute der 17. Oktober wäre. Und siehe da, heute, an dem Tag an dem ich diesen Blogeintrag verfasst habe, ist der 17. November.
Vieles ist in der letzten Zeit passiert und eigentlich sollte ich auch viel mehr hier schreiben, da ich sonst viel zu viel vergessen werde, was mir hier alles widerfahren ist. Doch leider habe ich die Zeit und um ehrlich zu sein, auch die Lust nicht. 

Ich fang jetzt einfach mal bei dem an, an was ich mich gerade so spontan erinnern kann:
Am Anfang dieses Monates haben wir Brot im Heim gebacken. Hier in Bolivien ist das so, die Menschen denken, dass wenn eine Person stirbt, ist sie nur körperlich von einem gegangen, aber geistig ist sie noch immer da. Ich habe mir sagen lassen, dass man hier auch nicht so spricht, schön war die Zeit mit ihm/ihr sondern schön ist die Zeit noch immer. Jedenfalls  ist hier Fronleichnam nicht am 1. November sondern am 2. November und an diesem Tag versammelt sich ganz Bolivien auf den verschieden Friedhöfen. Den verstorbenen Personen, wird all das mitgebracht, das sie zu ihren Lebzeiten am liebsten hatten, wie also das Lieblingsgetränk, die Lieblingssüßigkeit etc. und das alles wird dann vor ihr Grab gelegt. Ebenso Brot, aufgrund dessen, haben auch wir, wie jeder andere Bolivianer, selbst Brot gebacken. Symbolisch backt man z.B. eine Leiter, damit der Geist heruntersteigen kann. In die Lieblingsgetränke werden Strohhalme gesteckt, da der Geist zu schwach sein könnte, das Glas anzuheben um zu trinken.

Einige der Jungs waren zwar nicht auf dem Friedhof oder ähnliches, doch ich persönliche glaube,  für sie ist es eher mehr der Spaß, der bei dieser Backerei zählt.  Und um ehrlich zu sein war es auch ziemlich cool, und wer hätte es erwartet das Brot hat sogar super geschmeckt.

An einem anderen Tag, ich glaub es war in der Woche vom 2. November, sind wir mit einigen der Jungs als Belohnung für gute Schulnoten ins Stadion gegangen. Dort war dann das sogenannte „Classico“-Spiel. Das heißt um genau zu sein, Bolivar gegen Tigre („The Strongest“). Das ganze Stadion, das in der Stadtmitte ist, war gerammelt voll. Ein super tolles Erlebnis. Klar war es mal wieder nicht gerade Bundesliganiveau, doch für uns Volontäre geht es dabei auch nicht wirklich um das Spiel, vielmehr geht es um die Atmosphäre. Allein die Vorstellung, dass einem der Linienrichter eine Flasche an den Kopf geworfen wurde, dass der Schiedsrichter unter Polizeischutz in seine Kabine begleitet wird und dass die Menschen im Stadion mit Kopfhörern sitzen, damit sie die Kommentator Sprüche hören können. Dinge,  soviel ich weiß, die in Deutschland anders ablaufen. Auch hier hatten die Jungs ihren Spaß und wöllten am liebsten morgen gleich wieder gehen.  

Ich muss zugeben die Zeitliche Abfolge, stimmt mit Sicherheit hier nicht bei allem, aber das stört ja eigentlich auch nicht. Es geht mir mehr darum die Gedanken und Momente festzuhalten, in denen man sich befunden hat.
Doch das schlimmste, das ich in diesem Monat erfahren habe, war in einem Gespräch mit einem der Jungen. Im Gespräch, mit einem meiner Jungs habe ich ihn gefragt, warum er am Anfang, als ich gekommen bin, nicht in die Schule gegangen ist. Er hat mir erzählt, dass ein Prozess am Laufen war, bei dem entschieden wurde, ob er wieder zu seinem Vater zurück muss oder er im Heim bleiben kann. Es wurde jetzt also so entschieden, dass er im Heim bleiben darf. Woraufhin ich ihn gefragt habe, ob er die Entscheidung gut findet oder lieber gerne zurückgekehrt wäre. Daraufhin hat er mir erzählt, dass er mit der Entscheidung sehr zufrieden ist, denn er will nie wieder zu seinem Vater zurück. In diesem Moment, habe ich mir schon gedacht, dass was Schlimmes passiert sein muss, um solch eine Aussage zu treffen. Und mit meiner Vermutung lag ich richtig. Dieser sogenannte Vater, hat es fertiggebracht seinen Sohn mit Alkohol anzuzünden, woraufhin er nun an seinem ganzen Oberkörper,  sowie an seinem  Hals Verbrennungen hat, die ihn immer daran erinnern werden, was sein Vater getan hat. Und hier, auch wenn er es nie verstehen kann diesen Jungen schon, möchte ich mal meine Begeisterung für diesen Jungen aussprechen. Mir scheint es, dass er sich trotz seines Schicksaales, nicht unterkriegen lässt. Er lebt sein Leben mit voller Lebensfreude.

Bei einem anderen Jungen, wurde mit von meinem Chef erzählt, dass er so lange von seinen Eltern mit Gegenständen auf den Kopf geschlagen wurde, so dass er jetzt ein wenig, dumm im Kopf ist. Man merkt ihm manchmal an, dass er nicht auf dem Stand eines 15 jährigen Jungen ist.

Was mir manchmal zu schaffen macht, ist, wenn ich mit der Sozialarbeiterin auf Familiensuche bin. Zwar macht es mir jedes Mal sehr viel Spaß, da es besonders ist sehen zu dürfen, wie die Jungs früher gelebt haben, mit wem  sie früher gelebt haben. Und ich komm hin und wieder aus dem Heim raus und darf noch einen anderen Teil von La Paz oder sogar Boliviens sehen. Doch oft ist es so, dass wir die Familie finden und die/der Mutter/Vater sagt, sie kann ihren Sohn nicht mehr zurück nehmen.  Dies ist oft der Fall, aufgrund von einem neuen Mann oder von vielleicht 4 Kindern, es ist unterschiedlich. Manchmal ist es auch aufgrund der finanziellen Lage. Und in diesem Moment beschäftigt mich, dass ich die Möglichkeit hatte, die Mutter oder vielleicht auch den Vater sehen zu dürfen, mit ihnen sprechen zu dürfen und die Jungs nicht. 
 
Wenn ich bei der Arbeit bin und Ereignisse vorkommen, die ich in 8 Monaten nicht mehr erleben darf, stimmt mich das manchmal ein wenig komisch. Es gibt z.B. einen kleinen Jungen, Joel ist sein Name und ist 8 Jahre alt. Und seit ein paar Wochen, kommt er regelmäßig zu mir her und sagt er muss mir was ins Ohr sagen. Also beug ich mich zu ihm runter und hör mir an, was er mir sagen will. Ich weiß zwar schon jedes Mal, was es sein wird, aber ich will ihm einfach den Spaß lassen. Ich glaube alle, die das jetzt hier lesen, denen wurden schon einmal Geräusche, wie ein Kuss ins Ohr geküsst. Und das macht er regelmäßig bei mir. Ich hoffe sehr, dass er irgendwann den Ernst des Lebens erkennen wird und aus ihm jemand wird. 

Gestern, am Freitag, 18.11.2011 haben wir 15 Jahre „Hogar Ninas Obrajes“ gefeiert. Es gab leckeres Essen, eine Band hat Musik gespielt und sowohl die Mädchen aus dem Heim als auch meine Jungs aus dem Casa Esperanza waren Anwesend. Das coole an der ganze Sache war, zu sehen wie die Jungs es geschafft haben, in Kontakt mit den Mädchen zu kommen. Der Ein oder Andere ist später auch Hand in Hand mit diesem Mädchen rumgelaufen. Des Weiteren, haben sie mich gefragt, ob sie meine Kamera haben dürfte zum Bilder machen. Natürlich haben sie Beweisfotos machen müssen, die sie mit irgendwelchen Mädchen zeigen.  Einer der Jungs, total lustiger typ, ich mag ihn wirklich sehr. Hat ein Häppchen, dass auf dem Boden gelegen hat, ich glaube es war ein kleines Fleischküchle mit einem Zahnstocher aufgespießt und es einem anderen Jungen aus dem Casa Esperanza gegeben, der nicht wusste, dass es schon auf dem Boden lag. Klar ist es eigentlich nicht witzig, aber trotzdem in dem Moment einfach zum Brüllen.

Eins muss ich noch erzählen, das ist einfach eine Erinnerung, die ich nie vergessen möchte. Ich war im Computerraum und habe einen Brief geschrieben, bei dem ich hoffe, dass ihn Chrisi mit nach Deutschland nehmen kann, als Johannes (der andere Volontär) mit einem der Jungs rein kommt. Der junge ist ca. 8-9 Jahre alt, ich habe schon mal über ihn geschrieben. Es ist der Junge, mit ich mal sein Pulli wechseln war. Jedenfalls, hat Johannes dann mit ihm ein wenig rumgealbert und in irgendwann aufm Schoß gehabt. Auf seinem Schoß hat er ihn dann runtergedrückt, damit er sozusagen Sit-up´s machen muss und als er dann vor Lachen nicht mehr konnte, hat einen Furz losgelassen, den Johannes somit voll ins Gesicht bekommen hat. Hahaha wir haben uns alle vor Lachen weggeschmissen.

Wie ich erwähnt habe, war am 2. November Fronleichnam, das heißt wir Volontäre hatten frei. Wir haben den Tag genutzt um auf den Teufelszahn zu wandern/klettern. Es war super La Paz mal zu verlassen und einen wunderschönen Blick über fast ganz La Paz zu haben. Ebenso war es einfach mal etwas anderes, als immer nur zu arbeiten. Zudem waren auch fast alle Volontäre dabei, bis auf ein paar Wenige, die den Tag krank im Bett verbracht haben. Dieser Berg heißt Teufelszahn, da er wie ein überdimensionaler Backenzahn aussieht. Es war ein super Erlebnis und hat eine Menge Freude bereitet.

Am Anfang, als ich hier her kam, habe ich mir oft gedacht, warum habe ich mir für 1 Jahr im Ausland entschieden oder warum bin ich überhaupt so weit weg von meiner Familie gegangen. Doch heute bin ich dankbar. Ich hätte ohne diese Erfahrungen, die ich hier sammele, niemals das zu schätzen gelernt, was ich habe. Ich wäre mit Sicherheit nicht so selbstständig, wie ich es jetzt glaube zu sein.
Und jetzt, da man sich eingelebt hat, geht das Jahr noch schneller um. Wie schnell ging es jetzt eigentlich, dass mein Geburtstag wieder ein Monat her ist, wie schnell ging es jetzt, dass ich schon 4 Monate hier bin und ganz ehrlich bald steht schon Weihnachten und Silvester vor der Tür. Und dann ist auch schon mein Bruder da.
Doch jetzt freue ich mich erst einmal auf die Zeit, in der die Jungs keine Schule habe im Casa Esperanza mehr leben denn je herrscht und man mit den Jungs mal richtig sprechen kann.

Ohhh eines hätte ich jetzt fast noch vergessen. Ich war bei DAVID GUETTA „Nothing but the Beat“ (15.11.2011) und es war hammer geil. Klar David Guetta ist ein hässlicher typ, aber er weiß wie man einer Menge von 20 000 Menschen einheizen kann. Genial! Und das Preisleistungsverhältnis hat auch vollkommen gestimmt.

Bilder kann man, wie immer,  auf www.facebook.de finden : )

So das ist es dann mal wieder von mir, ich muss versuchen öfter meinen Blog zu schreiben, damit ich wichtige Ereignisse, die ich nicht vergessen möchte, nicht vergesse.

Liebe Grüße an alle

Sebi


Sonntag, 16. Oktober 2011

Ein Lächeln kann soooo viel Wert sein….


Ich weiß noch genau, als ich auf den Vorbereitungstagungen in Deutschland war, bin ich mit einer Einstellung hingegangen, ich könnte hier in Bolivien die Welt verändern. Doch diese Vorstellung wurde mir schon bei der Vorbereitung genommen. Mir wurde viel eher gesagt, dass man sich an kleinen Dingen im Leben erfreuen soll, wie z.B. ein Lächeln oder ein Dankeschön. Und genau das, habe ich jetzt hier erfahren dürfen.
Ich glaube am Mittwoch war es, ein Junge nicht älter als 8 Jahre, hatte ein feuchtes T-Shirt an und ich bin dann mit ihm in sein Zimmer gegangen, damit er sich umzieht. Ich muss dazu sagen die kleinen Jungs haben keine Schlüssel für ihre Schränke, da die Großen Jungs oder auch die anderen einfach irgendwelches Zeug rausziehen würden und man es später nicht mehr findet. 

Also war ich mit ihm in seinem Zimmer und er hat sich umgezogen und ich weiß auch nicht, ich kann gar nicht richtig beschreiben, was in mir vorging zum einen war ich in diesem Moment so glücklich in Bolivien zu sein, der Kleine ist einfach der Hammer, einfach nur wie er das gemacht hat ich hab ihm helfen müssen den Pulli richtig rum anzuziehen und lauter so Zeug. Aber das viel schlimmere war einfach der „Hass“ der in einem hoch kommt, wenn man sich vorstellt, wie der Junge von seiner Familie nicht geliebt werden konnte oder ich weiß nicht was passiert ist, aber in den meisten Fällen ist es so, dass sie geschlagen wurden oder ihnen noch schlimmere Dinge zugestoßen sind.

Ich muss an dem Punkt echt mal ein Dankeschön an meine Eltern, an meine Familie allgemein und meine Freunde sagen, es ist unglaublich, wie einem in so einem Auslandsjahr Punkte auffallen, die man als Selbstverständlich betrachtet hat, wie Freundschaft, Vertrauen, Familie und Liebe. Doch bei genauerem Nachdenken darüber sind diese Punkte hier in Bolivien überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Was heißt hier Freundschaft, Familie oder überhaupt Vertrauen?!
 
Um ehrlich zu sein hätte ich auch nie Mals erwartet, dass sich die Jungs so sehr über „Mensch ärger dich nicht“ freuen. Ich hab in den letzten Tagen aus einer alten Schublade ein paar Flaschendeckeln und mit ein paar Farben, mein erstes „Mensch ärger dich nicht“ für die Jungs gebaut und ja es wurde super aufgenommen und sie haben viel Spaß damit.

Wie ich glaube ich auch schon geschrieben habe, spiele ich hier recht viel Tischtennis und es gibt zwei Jungs mit denen ich mich jeden Tag bestimmt 1 Stunde am Tag messe. Sie spielen wirklich super, aber ja ich bin besser ; ). Ich bin momentan auch an der Überlegung ein Studium oder eine Ausbildung sein zu lassen und einfach Tischtennisprofi zu werden. Ne kleiner Witz, aber es macht wirklich Spaß und es ist eine super Möglichkeit um mit den Jungs ein besseres Verhältnis aufzubauen. 

Eins muss ich noch erzählen ich glaube das ist das witzigste, was diese Woche überhaupt passiert ist. Die Jungs haben eine  Möglichkeit, im Internet zu surfen, spiele am PC zu spielen oder was ihnen auch gerade zu einfällt. Und ja einer von diesen Leuchten ist halt auf die super Idee gekommen, während er angeblich was für die „Schule“ gesucht hat, sich so paar nette aufreizende Frauenbilder anzuschauen. Klar müssen wir dann gleich sagen, dass das nicht geht und ihm dann auch sagen, dass er den Computerraum jetzt zu verlassen hat. Aber ja, als er dann draußen war, mussten wir zwei Volontäre und schon ziemlich bepissen, zum einen wie blöd er ist, dass er ausgerechnet am PC neben uns sich solche Bilder anschaut, ja und des Weiteren, war es einfach lustig.

So, heute ist Sonntag, 17. Oktober 2011, wir haben heute einen super leckeren Nudelauflauf gegessen, die die Chrisi zubereitet hat : ) War genial und als Nachtisch, gab es dann Pudding mit Früchten… HAMMER : )
Ahhhh genau eins fällt mir gerade noch ein, also ich saß gestern so sagen wir mal um 17 Uhr ca. in der Sonne mit kurzen Hosen, T-Shirt und hab mich gebräunt. Wie ist das Wetter noch einmal in Deutschland?!

Also gut soweit von mir  

Ich wünsche allen eine schöne Woche

Euer Sebi




Sonntag, 9. Oktober 2011

In Stuttgart steht ein Hofbräuhaus…. Lala lala lalalaaaa


Was ein Erlebnis war denn das gestern? Ich würde es eher als Weltenwechsel bezeichnen. Aber gut jetzt mal von Anfang an. Wir haben vom Padre bzw. auch Nina gehört, dass in der Zona Sur ein Oktoberfest stattfindet und wenn wir schon die Möglichkeit in Deutschland nicht haben, dann gehen wir doch einfach auf das hier in La Paz.

Also erst einmal hieß es wir bekommen Freibier, doch irgendwie hat dich das leider nicht auffinden lassen : (. Na ja gut, aber wenn der Liter Bier umgerechnet 1,50€ kostet, dann will man da auch nicht meckern. Das einzige, das ich bissle krass fand, waren die 3€ Eintritt, das ist für bolivianische Verhältnisse schon recht viel.
Als wir dann drin waren, hat man dann aber erst ma die Ausmaße des "Club Aleman" gesehen, schönen dicken Pool, in den Hecken stand "Deutscher Verein" Tennisplätze Fitnessstudio, Hallenbad, grüner Rasen, richtig schön saftig... ja einfach alles.
Also haben wir uns das doch dann mal gegönnt, der Pool war aber abgesperrt nicht, dass nachher irgend jemand betrunken reinspringt. Wäre ja in Deutschland auch nicht anderst.

Doch wenn ich das jetzt gerade so selber lese, dann weiß ich warum die ganzen deutschen sich da so verhalten haben, wie wenn sie Gott auf Erden wären. Also für die deutschen dort , ist es wirklich so, was kostet die Welt. Vor dem „Club Aleman“ standen dann auch die dicken Autos, wie z.B. Audi, Mercedes, BMW. All das, was man halt in Deutschland auch findet. Ich hab auch später mal mit einem älteren Herrn gesprochen, und ihn gefragt, da man als man den Eintritt bezahlt hat ein Glas geschenkt bekommen hat, woher er denn sein Glas hat. Dieses Glas des Mannes, war nämlich für 1 Liter Bier bedacht. Hallo des wollte ich auch. Doch er hat mir dann auf ne ziemlich eingebildete Art und Weise gesagt, er hätte dafür gezahlt und es kostet 60 Bolivianos, also das Doppelte vom Eintrittspreis.  
Also ich muss sagen ich fand das Fest super, es kam deutsche Musik, es wurden von Bolivianerinnen deutsche Volkstänze getanzt, es gab Brezeln und Bier und ein paar Boxenluder, die Bier präsentiert haben. Was will man(n) mehr!?

Doch auf der anderen Seite ist es auch ziemlich komisch so etwas zu sehen. Warum? Ganz einfach wir arbeiten jeden Tag mit Armut und allem was dazu gehört zusammen. Und dann geht man auf ein Fest bei dem man Leute trifft die sich für die Armut kein Stück interessieren. Die eine bolivianische Frau geheiratet haben, die gute 20 Jahre jünger sein dürfte, die sich dann auf Kosten des deutschen, erst einmal ein paar Schönheitsoperationen unterzogen haben ja und jetzt das Leben mit Prada und Co. genießen.

Einer der Volontäre hat nur gemeint, er kann sich schon ungefähr vorstellen, wie der Kulturschock in Deutschland aussehen wird. Und um ehrlich zu sein, bei genauerem Nachdenken über die Aussagen hat er Recht. Aber bis dahin sind es ja noch gute 9 Monate.  Und erst einmal kommt mein Geburtstag am 21. Oktober, an den ihr bestimmt alle denkt : )

Bis bald euer Sebi
Ach genau ich lad hier nicht mehr allzu viele Bilder hoch, da mir das einfach zu lange dauert, ich muss zugeben Facebook, hat da meinem Blog schon was voraus, denn dort könnt ihr dann auch die Bilder finden….


Sonntag, 2. Oktober 2011

„Sein oder nicht sein?“ – El Camino de la muerte – „Das ist hier die Frage.“

So meine Freunde, nach langer Abwesenheit von mir, habe ich beschlossen an meinem freien Tag, den ich so gelegt habe, dass es ein Freitag ist, einen Blogeintrag zu schreiben. Nicht dass ihr jetzt denkt ich habe mir Urlaub genommen, da ich völlig überarbeitet bin, hahaha, ganz im Gegenteil. Letzten Sonntag, 25. September 2011 war ein riesen Fest, der Fundación die Kirmes. Es wurde an 3 verschiedenen Standpunkten gefeiert. Zum einen auf dem Gelände des Casa Esperanzas, Ninas Obrajes und noch ein Standpunkt den ich euch leider nicht sagen kann. Jeden Falls waren knapp 2000 Menschen dort um den verschieden Bands zu lauschen, das Essen und die Getränke zu genießen. Des Weiteren hat jetzt allmählich die Regenzeit hier angefangen und es regnet wirklich jeden Tag min. ein Mal. Und genauso war es auch am Sonntag, doch Gott sei Dank hat es erst gegen Ende angefangen. 

Aber gut jetzt mal Weg vom Sonntag und hin zum Camino de la Muerte. „Dam Dam Dam“!!!!
Wir Volontäre haben, wie ich schon geschrieben habe, beschlossen, den Camino del muerte am Samstag zu fahren. Wir wurden am Samstagmorgen um kurz ca. 8:30 Uhr abgeholt, also fast wie ausgemacht, was normalerweise um 8 Uhr gewesen wäre. Aber wie ich auch schon das eine oder andere mal geschrieben habe, wir sind in Bolivien. 

Na ja, auf die halbe Stunde kommt es nun wirklich nicht an. Wir waren ca. 1 Stunde in Minibussen unterwegs, bis wir an dem Punkt angelangt sind, an dem die ganze Reise gestartet hat. Diese Stelle lag auf einer Höhe von mehr als 4700m und uns wurde gesagt, dass wir in den nächsten 3 -4 Stunden 3000 Höhenmeter platt machen. Gott war das geil, man hätte fast meinen können, dass es von Höhenmeter zu Höhenmeter um 1 Grad Celsius zugenommen hat. Okay schon klar wäre ziemlich warm gewesen, aber es war auf jeden Fall mega in die Wärme zu fahren :)

Aber jetzt mal von Anfang an. Oben angekommen, hat jeder von uns Schutzkleidung bekommen und die eigentlich versprochenen schwarzen und orangenen Fahrräder, waren letzten Endes weiß, aber auch das war nicht weiter tragisch.  Hauptsache wir konnten damit fahren. Es gab noch schnell eine Einweisung, bei der die Führer ihrer ach so tolles englisch präsentieren mussten. 

Also gut auf die Sättel, fertig, LOS!!! Erst einmal ging es einfach nur die geteerte Straße runter, leck fett ich würde mal sagen auf so einem Fahrrad mit 40-50 km/h zu heizen ist schon krass, aber geil wie die Sau. Dann ging es weiter Kurve für Kurve links dann wieder rechts, Hupe von hinten Auto an uns vorbei. Und wir dann irgendwann auf einem Weg abgebogen, da die Hauptstraße halt einfach mal so gesperrt war, der uns über einen richtig geilen Schotterweg gebracht hat OHH Baby, Puls auf 200 und weiter.
Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube bis auf einen kleinen Sturz ist an dieser Stelle nicht weiter was passiert. 

Den Schotterweg verlassen ging es dann noch mal für ca. 5 km auf die geteerte Straße, bis wir dann an einer Art Mautstelle vorbei gekommen sind, an der wir 2 € bezahlen mussten, um den weiteren Weg passieren zu dürfen.  Doch von dort aus ging es dann erst einmal mit dem Auto noch ein Stück weiter, damit wir die Möglichkeit haben nur bergab zu fahren und nicht bergauf. Wie angenehm.
Also gut, jetzt geht die Tour weiter, bei gefühlten 25°C und einer Luftfeuchtigkeit von 80%. Doch was uns auf dieser Tour dann wiederfahren ist, hätte keine von uns erwartet. Es war so geil landschaftlich ist die Todesstraße ein absoluter Traum, klar man sollte nicht so sehr auf die Landschaft achten, da die Straße, ja wenn man es Straße nennen kann,  bestand wirklich nur aus Schotter, Dreck und ja, fast  wie ein Feldweg. Die Straße war gerade so breit, dass man mit einem Auto entlangfahren konnte. Wenn dann mal ein zweites Auto kam aus der anderen Richtung ist es dann schon ziemlich eng geworden.

Naja aber jetzt kommt der Knaller, wir also auf diesem Weg unterwegs und irgendwann haben wir mal eine Pause gemacht um uns alle wieder zu treffen. Der liebe Amerikaner Matt hat sich recht nah an Abgrund gestellt, was mit Sicherheit kein Problem wäre, doch bei seinem Glück ist der Boden unter seinen Füßen weggerutscht und er somit in die Tiefe gefallen. Wir allen haben schon gedacht, ohhh nein, warum ausgerechnet hier und heute. Doch Matt hatte ein riesen Glück, ein unbeschreibliches Glück. Normalerweise ist es an jeder Stelle der Todesstraße ca. 200-300m in die Tiefe gegangen, vielleicht sogar mehr, ich kann es so schlecht einschätzen. Doch ausgerechnet, an der Stelle an der Matt gefallen ist, war ein kleiner Vorsprung in einer Tiefe von ca. 3-5m, auf dem er gelandet ist. Wir konnten auch von Glück sprechen dass unsere Führer ein Seil dabei hatten, sonst hätte Matt dort erst einmal übernachten dürfen haha.
Ihn unversehrt wieder hochgezogen, ging die Fahrt weiter. Mit einer kleiner Unterbrechung, bei der wir dann zu essen und trinken bekommen haben, haben wir versucht den Schreck den uns Matt eingejagt hat runterzuschlucken.

Am Ende der Strecke hat ein mega geiles Hotel auf uns gewartet mit leckerem Essen, Getränken und einem Pool, was will man mehr. Allein die Tatsache eine kurze Hose tragen zu können oder ein T-Shirt unglaublich, denn das kommt in La Paz nicht allzu oft vor. 

Es war auf jeden Fall ein hammergeiles Erlebnis, das ich doch gerne noch einmal wiederholen wöllte.

Freitag, 9. September 2011

Fußballspiel im Stadion in La Paz




Einer besten Vereine Boliviens hat heute, am Donnerstag, ein Spiel gehabt. Der Verein heißt „Bolivar“ und was man dazu sagen muss ist. in La Paz gibt es eigentlich drei Vereine, doch nur 2 spielen eine Rolle. Zum einen ist das „Bolivar“ und zum anderen „Tigre“. Jeden Falls hat heute „Bolivar“ gespielt gegen einen Verein, der irgendwo da bei Santa Cruz herkommt. Ich persönlich habe erwartet, dass es ein Spiel wird, wie wenn man sich keine Ahnung den VFB Stuttgart gegen Schalke oder so anschaut. Haha was eine Vorstellung, das Niveau auf dem das Spiel stattgefunden hat, würde ich persönlich mal so auf Regionalliga tippen. Das Ergebnis zum Ende des Spieles lag dann bei 6:1 für Bolivar.
Der Anfang des Spieles war ja schon mal der absolute Wahnsinn, kaum sind die Mannschaften aufs Feld gelaufen, wurde zum einen der „ausstädtische“ Verein ausgebuht und ein Feuerwerk gezündet, so würde man es teilweise in Deutschland in einer kleinen Runde an Silvester zünden. Wenn man sich das vorstellt, wenn es in Deutschland so abgehen würde, würde das Spiel entweder verschoben werden oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Aber ja, so ist nun einmal Bolivien. Ach eins ist noch wichtig bevor ich zum nächsten Punkt komme. Als Bolivar-Fan, darf man natürlich nur auf der einen Seite des Stadions sitzen, da wenn man auf der anderen Seite sitz man sich als Tigre-Fan outet. Aufgrund dessen, war das Stadion im Prinzip nicht einmal zur Hälfte voll, jedoch haben die Bolivianer wirklich eine super Stimmung gemacht. Es wurde die ganzen 90 Minuten lauthals gesungen und das Ganze mit einer schönen Melodie verbunden.

Das war mein erstes Spiel im Stadion von La Paz und mit Sicherheit auch nicht das letzte. Wenn Bolivar und Tigre spielen soll es angeblich unglaublich zugehen.

Sonst ist soweit alles beim Alten, ich freue mich auf Samstag da geht’s dann auf die Todesstraße.

Bis dahin euer Sebi