So ich melde mich mal wieder J Heute war ein sehr spannender Tag, aber doch zugleich auch ungewöhnlicher. Am besten fang ich mal ganz von vorne an. Heute Morgen wurden wir um kurz nach 8 abgeholt und zum Casa de Paso gebracht vom Casa de Paso aus ging es dann weiter zum Projekt Calle (Straße), hier wurden wir von zwei Sozialarbeiterinnen begleitet. Wir sind also mit dem Auto in einen Teil der Stadt gefahren der nicht so schön ist wie die Stadtmitte von La Paz, aber wo soll man auch sonst die „Armut“ antreffen?! An dem Treffpunkt haben sich dann recht schnell ein paar Leute versammelt die wir alle in den Minibus eingeladen haben, ich glaube wir saßen dann irgendwann zu 10 in einem Bus der maximal Platz für 7 hat aber naja das juckt hier in La Paz eh niemanden. Jedenfalls sind wir dann weiter zu einem ab gelegeneren Ort gefahren, an dem wir dann den Obdachlosen bzw. den Ninos de la Calle Essen und Trinken gegeben haben, währenddessen haben wir noch eine Weile versucht mit ihnen zu sprechen und sind dann irgendwann wieder abgedampft um in ein anderes Projekt noch einblicken zu können. Schon irgendwie krass zu wissen, dass sich ein Mädchen nur gute Klamotten kaufen kann, weil sie eine Prostituierte ist. Im Vergleich zu den ganzen Jungs die meistens vom Betteln oder vom Schuhe putzen leben, die hatten nur abgetragene und schmutzige Dinge an.
Naja jedenfalls haben wir dann, als zweites Projekt, ein krasses Gegenteil erlebt. Wir durften in den Kindergarten vom Casa de Paso schauen, in dem wirklich so viele kleine süße Kindern sind – unglaublich. In der Zeit die wir dort verbracht haben wurde uns alles erklärt die ganzen Räumlichkeiten, was die Eltern in der Zeit machen in der ihre Kinder im Kindergarten sind ja und noch vieles mehr. Aber das schönste am dem Ganzen war, dass wir den Kindern vorgestellt wurden und sie uns so herzlich empfangen haben. Schon komisch die Kinder wachsen in Armut auf die Mütter sammeln z.B. Plastikflaschen und die Väter sind Schuhputzer, aber können einem trotzdem so viel Herzlichkeit entgegenbringen. Klar sind die Kinder vllt. noch nicht alt genug um zu verstehen was hier eigentlich vor sich geht, aber von irgendwoher müssen sie doch haben, wie man anderen „Herzlichkeit“ zeigt. Zum Schluss haben die Kinder noch für uns und wir dann mit ihnen getanzt. Es war wirklich super lustig J
Danach ging es dann weiter ins Projekt Ex-Beneficarios, das bedeutet einfach nur, dass das die damaligen Kinder der Fundacion sind die nun in keinem Projekt mehr sind, man aber gerne noch wissen wöllte, was diese eigentlich machen. Was auch sehr cool war, war dass die erste die wir angetroffen haben damals im Mädchenheim aufgewachsen ist und irgendwann dann so mit 19, 20 nach Deutschland gegangen ist um dort als Au-Pair 1 Jahr zu leben. Als wir dann alleine mit der Verantwortlichen Leiterin des Projekts waren hat sie uns erzählt, wie es in ihrem Projekt so zugeht und was wohl auf uns zukommt.
Doch das härteste, was ich je erlebt habe, war die Reise in eine andere Welt. Nämlich in das Projekt Apoyo social familiar. In diesem Projekt wird Familie geholfen, die am Rande des Existenzminimums leben. Ihnen wird z.B. Kleidung gegeben, Essen, Trinken, Schreibsach für die Schule. Hört sich ja im Prinzip gar nicht so krass an. Doch wir sind ca. für eine halbe Stunde bei einer Familie gewesen die ein Leben führen, wie man es sich in Deutschland nicht vorstellen kann. Die Mutter die wir dort angetroffen haben hat 8 Kindern und wohnt in einem Haus, das aus Lehm gebaut ist. Doch am besten versuch ich mal zu schildern wie mein erster Eindruck war. Als wir an den Rand von La Paz gefahren sind hat man immer mehr gemerkt, wie die Armut zugenommen hat. Die Straßen wurden immer schlechter die Menschenmassen haben immer weiter zugenommen und die Frauen die gebettelt haben wurden immer mehr. Als wir dann an unserem Ziel angekommen waren, trafen wir zufälligerweise auf die Frau die wir vorhatten zu besuchen. Wir sind ihr dann gefolgt bis zu ihrem Haus. Von außen sah das Ganze noch recht normal aus es war klar nicht wie man es aus Deutschland kennt eine Mauer die einen Verputzt hat, sondern es war einfach eine Mauer in der eine Tür war die kein Schloss nichts hatte. Jedenfalls hat sie uns dann gebeten einzutreten. Wir also ihrer Bitte gefolgt und das erste was man gesehen hat war im Prinzip eine Müllhalde, ihr Hund hat z.B. in einer Blechtonnen geschlafen, die am verrosten war. Ihr ältester Sohn hat sich an einem Wasserhahn gewaschen. Und an den Händen hatte sie zwei kleine Kinder. Die nicht älter als 3 Jahre waren. Wir also ein kleines Stück über das Gelände gelaufen, in das Haus das wirklich aus Lehm und ein paar Ziegelsteinen bestanden eingetreten und das erste was wir sehen konnten war eine Küche die ungefähr 1 auf 1 Meter klein war in dieser „Küche“ ging es dann rechts in ein anderes Zimmer in dem 2 Betten standen. In der Wand war ein Fenster ohne Scheibe, man muss dazu sagen, dass es nachts Momentan Temperaturen um den Gefrierpunkt gibt. Na ja jedenfalls war in diesem Zimmer nicht mehr als 2 Betten, in denen 9 Personen schlafen, die Betten waren vllt. mit ein wenig Glück 1,40m breit. Desweitern war noch ein Fernseher in dem Zimmer damit die Kinder solange die Mutter weg ist fernsehen schauen können. Da die Mutter in der Zeit Obst an der Straße verkauft. Sie hat auch mal gemeint, dass sie letzten Monat nicht genug Geld hatte um den Strom zu bezahlen. Ihr haben fünf Bolivianos gefehlt also 50 cent. Verdammt nochmal das war eine verschissene Lehmhütte, die Kinder müssen ihre Kleidung tauschen, damit morgens und nachmittags jmd. in die Schule kann. Schon krass irgendwie egal wie arm Menschen in Deutschland sind, so lebt keiner von ihnen. Als die Mutter und der älteste Sohn über ihre Armut gesprochen haben kamen ihnen selber dabei die Tränen. Klar kann man jetzt sagen wie dumm muss man auch sein 8 Kindern auf die Welt zu bringen, wenn man eh kein Geld hat, aber woher sollen diese Leute überhaupt was über Verhütung wissen?!
Naja ich weiß auch noch nicht so recht was ich darüber denken soll, am liebsten will ich trotz allem in solch einem Projekt arbeiten, wie z.B. Calle oder Apoyo social Familiar. Man kann einfach am meisten helfen allein durch zuhören. Die andern Projekte waren auch sehr cool die ich heute gesehen haben, aber es war halt einfach z.B. der Kindergarten erst einmal ist das für mich vllt. für ne Stunde oder auch nen Tag ganz lustig aber ich und Kindergarten? Das passt nicht zusammen, zudem könnte ich auch in einen Kindergarten in Deutschland gehen. Das will ich hier einfach nicht.
Mhhh was ging denn sonst noch so die letzten Tage? Ach ja genau gestern war ich mit einer aus meiner Wohnung noch auf Erkundungstour durch La Paz, wir waren nur zu zweit unterwegs, da die anderen entweder keine Lust hatten oder so fertig vom Tag waren. Jedenfalls haben wir versucht und zu Recht zu finden was eigentlich auch ganz gut geklappt hat solange wir kein festes Ziel hatten, das wir sehen wollten. Doch irgendwann haben wir uns dafür entschieden, die Touristenstraße aufzusuchen, in der wir am Tag davor auch schon waren, aber da La Paz so riesig ist haben wir es natürlich nicht geschafft wir sind gelaufen und gelaufen aber ohne ans Ziel zu kommen. Doch auf unserem Weg haben wir viele andere interessante Dinge gesehen wie z.B. Stände, an denen man ich glaube es waren Lama Kadaver kaufen konnte. Die Bolivianer meinen das bringt Glück, wenn man diesen Kadaver mit in die Wand oder in den Boden einbaut. Irgendwann haben wir uns dann entschieden wieder die Heimreise anzutreten, das heißt wenn man ins Centro von La Paz will einfach bergab laufen. So haben wir das dann auch gemacht, war übrigens ne ganz schöne Herausforderung, da wir alles auf Spanisch besprochen haben sie von Amerika kommt. Jedenfalls sind wir dann an einem ganz bekannten Platz rausgekommen vor dem Museum, an dem wir dann beide dann gedacht haben wir dumm wir eigentlich sind, da wenn wir noch ca. 5 Min weiter gelaufen wären genau in der Touristenstraße rausgekommen wären, aber naja. Doch bei meinem Glück soll der Abend ja nicht so schnell enden also sind wir in einen Minibus eingestiegen Richtung Heimat. Erst einmal kostet normalerweise jede Fahr 1,50 Bolivianos, doch ausgerechnet wenn man untenrum fährt und aus dem Zentrum raus kostet es 2,30 Bolis. Also was ist die Schlussfolgerung? Der Kassier will mich verarschen. Somit hab ich mich dann ein wenig mit ihm angelegt und wollte das Geld nicht zahlen, bis mir ein Mitfahrer erklärt hat, wie das ganze bei Nacht läuft L Blöd. Aber gut jetzt bin ich wieder ein wenig schlauer. Gut wir also weitergefahren und irgendwann durch Obrajes gekommen (unsere Ortschaft in der wir wohnen), blöderweise hat der Kassier der immer aus dem Bus schreit wohin gefahren wird nur Straßennummern gesagt und wir natürlich drauf gewartet, dass er sagt Obrajes hier aussteigen. Scheiße wars kam nichts. Weitergefahren und weitergefahren bis wir dann irgendwann bissle schiss bekommen haben ausgestieg sind irgendwo aber in der Nähe eines Burger Kings und von dort aus mim Taxi vollends heim. Was ein Abenteuer J.
So also gut mein Word zeigt mir an dass ich jetzt mehr als 1500 Wörter habe. Es würde zwar noch so viel mehr geben, aber ich will meine Leser ja nicht vollends verängstigen… J
Ich hoff mein Beitrag gefällt euch und ihr werdet bald wieder von mir hören J
Euer Sebi
P.s. bei uns ist es erst halb 10
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