Sonntag, 16. Oktober 2011

Ein Lächeln kann soooo viel Wert sein….


Ich weiß noch genau, als ich auf den Vorbereitungstagungen in Deutschland war, bin ich mit einer Einstellung hingegangen, ich könnte hier in Bolivien die Welt verändern. Doch diese Vorstellung wurde mir schon bei der Vorbereitung genommen. Mir wurde viel eher gesagt, dass man sich an kleinen Dingen im Leben erfreuen soll, wie z.B. ein Lächeln oder ein Dankeschön. Und genau das, habe ich jetzt hier erfahren dürfen.
Ich glaube am Mittwoch war es, ein Junge nicht älter als 8 Jahre, hatte ein feuchtes T-Shirt an und ich bin dann mit ihm in sein Zimmer gegangen, damit er sich umzieht. Ich muss dazu sagen die kleinen Jungs haben keine Schlüssel für ihre Schränke, da die Großen Jungs oder auch die anderen einfach irgendwelches Zeug rausziehen würden und man es später nicht mehr findet. 

Also war ich mit ihm in seinem Zimmer und er hat sich umgezogen und ich weiß auch nicht, ich kann gar nicht richtig beschreiben, was in mir vorging zum einen war ich in diesem Moment so glücklich in Bolivien zu sein, der Kleine ist einfach der Hammer, einfach nur wie er das gemacht hat ich hab ihm helfen müssen den Pulli richtig rum anzuziehen und lauter so Zeug. Aber das viel schlimmere war einfach der „Hass“ der in einem hoch kommt, wenn man sich vorstellt, wie der Junge von seiner Familie nicht geliebt werden konnte oder ich weiß nicht was passiert ist, aber in den meisten Fällen ist es so, dass sie geschlagen wurden oder ihnen noch schlimmere Dinge zugestoßen sind.

Ich muss an dem Punkt echt mal ein Dankeschön an meine Eltern, an meine Familie allgemein und meine Freunde sagen, es ist unglaublich, wie einem in so einem Auslandsjahr Punkte auffallen, die man als Selbstverständlich betrachtet hat, wie Freundschaft, Vertrauen, Familie und Liebe. Doch bei genauerem Nachdenken darüber sind diese Punkte hier in Bolivien überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Was heißt hier Freundschaft, Familie oder überhaupt Vertrauen?!
 
Um ehrlich zu sein hätte ich auch nie Mals erwartet, dass sich die Jungs so sehr über „Mensch ärger dich nicht“ freuen. Ich hab in den letzten Tagen aus einer alten Schublade ein paar Flaschendeckeln und mit ein paar Farben, mein erstes „Mensch ärger dich nicht“ für die Jungs gebaut und ja es wurde super aufgenommen und sie haben viel Spaß damit.

Wie ich glaube ich auch schon geschrieben habe, spiele ich hier recht viel Tischtennis und es gibt zwei Jungs mit denen ich mich jeden Tag bestimmt 1 Stunde am Tag messe. Sie spielen wirklich super, aber ja ich bin besser ; ). Ich bin momentan auch an der Überlegung ein Studium oder eine Ausbildung sein zu lassen und einfach Tischtennisprofi zu werden. Ne kleiner Witz, aber es macht wirklich Spaß und es ist eine super Möglichkeit um mit den Jungs ein besseres Verhältnis aufzubauen. 

Eins muss ich noch erzählen ich glaube das ist das witzigste, was diese Woche überhaupt passiert ist. Die Jungs haben eine  Möglichkeit, im Internet zu surfen, spiele am PC zu spielen oder was ihnen auch gerade zu einfällt. Und ja einer von diesen Leuchten ist halt auf die super Idee gekommen, während er angeblich was für die „Schule“ gesucht hat, sich so paar nette aufreizende Frauenbilder anzuschauen. Klar müssen wir dann gleich sagen, dass das nicht geht und ihm dann auch sagen, dass er den Computerraum jetzt zu verlassen hat. Aber ja, als er dann draußen war, mussten wir zwei Volontäre und schon ziemlich bepissen, zum einen wie blöd er ist, dass er ausgerechnet am PC neben uns sich solche Bilder anschaut, ja und des Weiteren, war es einfach lustig.

So, heute ist Sonntag, 17. Oktober 2011, wir haben heute einen super leckeren Nudelauflauf gegessen, die die Chrisi zubereitet hat : ) War genial und als Nachtisch, gab es dann Pudding mit Früchten… HAMMER : )
Ahhhh genau eins fällt mir gerade noch ein, also ich saß gestern so sagen wir mal um 17 Uhr ca. in der Sonne mit kurzen Hosen, T-Shirt und hab mich gebräunt. Wie ist das Wetter noch einmal in Deutschland?!

Also gut soweit von mir  

Ich wünsche allen eine schöne Woche

Euer Sebi




Sonntag, 9. Oktober 2011

In Stuttgart steht ein Hofbräuhaus…. Lala lala lalalaaaa


Was ein Erlebnis war denn das gestern? Ich würde es eher als Weltenwechsel bezeichnen. Aber gut jetzt mal von Anfang an. Wir haben vom Padre bzw. auch Nina gehört, dass in der Zona Sur ein Oktoberfest stattfindet und wenn wir schon die Möglichkeit in Deutschland nicht haben, dann gehen wir doch einfach auf das hier in La Paz.

Also erst einmal hieß es wir bekommen Freibier, doch irgendwie hat dich das leider nicht auffinden lassen : (. Na ja gut, aber wenn der Liter Bier umgerechnet 1,50€ kostet, dann will man da auch nicht meckern. Das einzige, das ich bissle krass fand, waren die 3€ Eintritt, das ist für bolivianische Verhältnisse schon recht viel.
Als wir dann drin waren, hat man dann aber erst ma die Ausmaße des "Club Aleman" gesehen, schönen dicken Pool, in den Hecken stand "Deutscher Verein" Tennisplätze Fitnessstudio, Hallenbad, grüner Rasen, richtig schön saftig... ja einfach alles.
Also haben wir uns das doch dann mal gegönnt, der Pool war aber abgesperrt nicht, dass nachher irgend jemand betrunken reinspringt. Wäre ja in Deutschland auch nicht anderst.

Doch wenn ich das jetzt gerade so selber lese, dann weiß ich warum die ganzen deutschen sich da so verhalten haben, wie wenn sie Gott auf Erden wären. Also für die deutschen dort , ist es wirklich so, was kostet die Welt. Vor dem „Club Aleman“ standen dann auch die dicken Autos, wie z.B. Audi, Mercedes, BMW. All das, was man halt in Deutschland auch findet. Ich hab auch später mal mit einem älteren Herrn gesprochen, und ihn gefragt, da man als man den Eintritt bezahlt hat ein Glas geschenkt bekommen hat, woher er denn sein Glas hat. Dieses Glas des Mannes, war nämlich für 1 Liter Bier bedacht. Hallo des wollte ich auch. Doch er hat mir dann auf ne ziemlich eingebildete Art und Weise gesagt, er hätte dafür gezahlt und es kostet 60 Bolivianos, also das Doppelte vom Eintrittspreis.  
Also ich muss sagen ich fand das Fest super, es kam deutsche Musik, es wurden von Bolivianerinnen deutsche Volkstänze getanzt, es gab Brezeln und Bier und ein paar Boxenluder, die Bier präsentiert haben. Was will man(n) mehr!?

Doch auf der anderen Seite ist es auch ziemlich komisch so etwas zu sehen. Warum? Ganz einfach wir arbeiten jeden Tag mit Armut und allem was dazu gehört zusammen. Und dann geht man auf ein Fest bei dem man Leute trifft die sich für die Armut kein Stück interessieren. Die eine bolivianische Frau geheiratet haben, die gute 20 Jahre jünger sein dürfte, die sich dann auf Kosten des deutschen, erst einmal ein paar Schönheitsoperationen unterzogen haben ja und jetzt das Leben mit Prada und Co. genießen.

Einer der Volontäre hat nur gemeint, er kann sich schon ungefähr vorstellen, wie der Kulturschock in Deutschland aussehen wird. Und um ehrlich zu sein, bei genauerem Nachdenken über die Aussagen hat er Recht. Aber bis dahin sind es ja noch gute 9 Monate.  Und erst einmal kommt mein Geburtstag am 21. Oktober, an den ihr bestimmt alle denkt : )

Bis bald euer Sebi
Ach genau ich lad hier nicht mehr allzu viele Bilder hoch, da mir das einfach zu lange dauert, ich muss zugeben Facebook, hat da meinem Blog schon was voraus, denn dort könnt ihr dann auch die Bilder finden….


Sonntag, 2. Oktober 2011

„Sein oder nicht sein?“ – El Camino de la muerte – „Das ist hier die Frage.“

So meine Freunde, nach langer Abwesenheit von mir, habe ich beschlossen an meinem freien Tag, den ich so gelegt habe, dass es ein Freitag ist, einen Blogeintrag zu schreiben. Nicht dass ihr jetzt denkt ich habe mir Urlaub genommen, da ich völlig überarbeitet bin, hahaha, ganz im Gegenteil. Letzten Sonntag, 25. September 2011 war ein riesen Fest, der Fundación die Kirmes. Es wurde an 3 verschiedenen Standpunkten gefeiert. Zum einen auf dem Gelände des Casa Esperanzas, Ninas Obrajes und noch ein Standpunkt den ich euch leider nicht sagen kann. Jeden Falls waren knapp 2000 Menschen dort um den verschieden Bands zu lauschen, das Essen und die Getränke zu genießen. Des Weiteren hat jetzt allmählich die Regenzeit hier angefangen und es regnet wirklich jeden Tag min. ein Mal. Und genauso war es auch am Sonntag, doch Gott sei Dank hat es erst gegen Ende angefangen. 

Aber gut jetzt mal Weg vom Sonntag und hin zum Camino de la Muerte. „Dam Dam Dam“!!!!
Wir Volontäre haben, wie ich schon geschrieben habe, beschlossen, den Camino del muerte am Samstag zu fahren. Wir wurden am Samstagmorgen um kurz ca. 8:30 Uhr abgeholt, also fast wie ausgemacht, was normalerweise um 8 Uhr gewesen wäre. Aber wie ich auch schon das eine oder andere mal geschrieben habe, wir sind in Bolivien. 

Na ja, auf die halbe Stunde kommt es nun wirklich nicht an. Wir waren ca. 1 Stunde in Minibussen unterwegs, bis wir an dem Punkt angelangt sind, an dem die ganze Reise gestartet hat. Diese Stelle lag auf einer Höhe von mehr als 4700m und uns wurde gesagt, dass wir in den nächsten 3 -4 Stunden 3000 Höhenmeter platt machen. Gott war das geil, man hätte fast meinen können, dass es von Höhenmeter zu Höhenmeter um 1 Grad Celsius zugenommen hat. Okay schon klar wäre ziemlich warm gewesen, aber es war auf jeden Fall mega in die Wärme zu fahren :)

Aber jetzt mal von Anfang an. Oben angekommen, hat jeder von uns Schutzkleidung bekommen und die eigentlich versprochenen schwarzen und orangenen Fahrräder, waren letzten Endes weiß, aber auch das war nicht weiter tragisch.  Hauptsache wir konnten damit fahren. Es gab noch schnell eine Einweisung, bei der die Führer ihrer ach so tolles englisch präsentieren mussten. 

Also gut auf die Sättel, fertig, LOS!!! Erst einmal ging es einfach nur die geteerte Straße runter, leck fett ich würde mal sagen auf so einem Fahrrad mit 40-50 km/h zu heizen ist schon krass, aber geil wie die Sau. Dann ging es weiter Kurve für Kurve links dann wieder rechts, Hupe von hinten Auto an uns vorbei. Und wir dann irgendwann auf einem Weg abgebogen, da die Hauptstraße halt einfach mal so gesperrt war, der uns über einen richtig geilen Schotterweg gebracht hat OHH Baby, Puls auf 200 und weiter.
Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube bis auf einen kleinen Sturz ist an dieser Stelle nicht weiter was passiert. 

Den Schotterweg verlassen ging es dann noch mal für ca. 5 km auf die geteerte Straße, bis wir dann an einer Art Mautstelle vorbei gekommen sind, an der wir 2 € bezahlen mussten, um den weiteren Weg passieren zu dürfen.  Doch von dort aus ging es dann erst einmal mit dem Auto noch ein Stück weiter, damit wir die Möglichkeit haben nur bergab zu fahren und nicht bergauf. Wie angenehm.
Also gut, jetzt geht die Tour weiter, bei gefühlten 25°C und einer Luftfeuchtigkeit von 80%. Doch was uns auf dieser Tour dann wiederfahren ist, hätte keine von uns erwartet. Es war so geil landschaftlich ist die Todesstraße ein absoluter Traum, klar man sollte nicht so sehr auf die Landschaft achten, da die Straße, ja wenn man es Straße nennen kann,  bestand wirklich nur aus Schotter, Dreck und ja, fast  wie ein Feldweg. Die Straße war gerade so breit, dass man mit einem Auto entlangfahren konnte. Wenn dann mal ein zweites Auto kam aus der anderen Richtung ist es dann schon ziemlich eng geworden.

Naja aber jetzt kommt der Knaller, wir also auf diesem Weg unterwegs und irgendwann haben wir mal eine Pause gemacht um uns alle wieder zu treffen. Der liebe Amerikaner Matt hat sich recht nah an Abgrund gestellt, was mit Sicherheit kein Problem wäre, doch bei seinem Glück ist der Boden unter seinen Füßen weggerutscht und er somit in die Tiefe gefallen. Wir allen haben schon gedacht, ohhh nein, warum ausgerechnet hier und heute. Doch Matt hatte ein riesen Glück, ein unbeschreibliches Glück. Normalerweise ist es an jeder Stelle der Todesstraße ca. 200-300m in die Tiefe gegangen, vielleicht sogar mehr, ich kann es so schlecht einschätzen. Doch ausgerechnet, an der Stelle an der Matt gefallen ist, war ein kleiner Vorsprung in einer Tiefe von ca. 3-5m, auf dem er gelandet ist. Wir konnten auch von Glück sprechen dass unsere Führer ein Seil dabei hatten, sonst hätte Matt dort erst einmal übernachten dürfen haha.
Ihn unversehrt wieder hochgezogen, ging die Fahrt weiter. Mit einer kleiner Unterbrechung, bei der wir dann zu essen und trinken bekommen haben, haben wir versucht den Schreck den uns Matt eingejagt hat runterzuschlucken.

Am Ende der Strecke hat ein mega geiles Hotel auf uns gewartet mit leckerem Essen, Getränken und einem Pool, was will man mehr. Allein die Tatsache eine kurze Hose tragen zu können oder ein T-Shirt unglaublich, denn das kommt in La Paz nicht allzu oft vor. 

Es war auf jeden Fall ein hammergeiles Erlebnis, das ich doch gerne noch einmal wiederholen wöllte.